Untitled No77

Mein Studium hat sich eher der digitalen Hälfte gewidmet und so war es an der Zeit, ausgerechnet in VID ein analoges Werk zu gebären. Vom Überthema “Licht” wurde von mir die Fähigkeit sich zu brechen über das Medium der Lentikularfolie kommuniziert, oder einfacher: Ich habe ein Wackelbild gemacht.

Das Konzept sollte sich am geistigen Manifest der Op-Art orientieren. Durch wilde Muster und Linien sollte das Auge getäuscht, irritiert oder verletzt werden. Der Inhalt spielt überhaupt keine Rolle. Für meine 1,30 m hohe Darstellung eines Kopfes brauchte ich:

5 Fotos von verschiedenen Gesichtsausdrücken
einen Drucker mit min. 960 dpi
Lentikularfolie, 3 m^2
Sprühkleber, transparent
Dämmplatten, 5 m^2

Lentikularfolie besteht aus vertikalen Linsen, die nebeneinandergereiht sind. Man kennt das Gefühl und Geräusch, wenn man über ein Wackelbild streicht. Im Profil sieht sie aus wie nebeneinanderliegende Halbkreise, die alle etwa 0,6 mm breit sind. Wenn man den perfekten Abstand zur Folie hat, fokussieren die Linsen auf jeweils einen dünnen Streifen, der hinter der jeweiligen Linse liegt. Und so gibt es Lentikularfolien für Betrachtung von weit weg, für nahe Betrachtung, für 3D, und immer auch gleich mit unterschiedlichen Linsenbreiten. Für welche ich mich letzten Endes entschied, liegt auf der Hand – Die billigste.

Das Bild unter der Lentikularfolie kann auch von einem Heimdrucker gedruckt werden. Mein Konzept unterscheidet 3 Phasen, deshalb musste ich jeweils 3 Streifen der unterschiedlichen Gesichtsausdrücke hinter eine Linse packen, ein Streifen ist also etwa 1/5 mm dick. Solange der Drucker das auflösen kann, ist er dafür auch geeignet. Da es allerdings auf Hundertstelmillimeter ankommt, und weder die Folie noch der Drucker so genau sind, muss zuerst herausgefunden werden, mit welchem Faktor man das Bild drucken muss, damit es perfekt zur Folie passt. So tastet man sich wie beim Wurzelziehen an die richtige Zahl, 100,66% in meinem Fall.

Ich teilte das Gesicht in 77 Polygone und ließ mir für jedes zufällig 3 Phasen, 4 Farben und einen Winkel zwischen -45 und 45° errechnen. Die 3 Phasen sollten die unterschiedlichen Gesichtsausdrücke darstellen, und das Gesicht bei Bewegung lebendig machen. Die Farben unterstützen das Gefühl von raumspezifischer Veränderung, denn großartige Veränderungen in der Mimik sind vor allem an Mund und Augen wahrzunehmen. Jedes Polygon wurde in einem anderen Winkel mit der Folie beklebt, damit sich die Flächen auf einer Bewegungsachse nicht einheitlich ändern, sondern manche schneller, manche langsamer, und außerdem auch eine Veränderung auf der vertikalen Achse stattfindet.

Die Fächen wurden ausgedruckt und mit Sprühkleber an der Folie fixiert, ausgeschnitten und auf die Dämmplatten geklebt, diese dann am Rand in Form gebracht.

Das Ergebnis ist doch etwas anders, als ich es mir vorgestellt habe. Der Kleber ist nicht besonders gut getrocket, und wenn sich das Papier von der Folie löst, machen ein paar Hundertstelmillimeter einen erheblichen Unterschied in Schärfe und Sättigung. Außerdem macht die Folie gerne Totalreflexionen, die zu sehr davon ablenken, dass sich das Gesicht verändert. Da die Bewegung der Wackelbildfolien normalerweise manuell geschieht, dreht man sich eben so, dass sie nicht reflektiert. Die Bewegung geht in meinem Fall aber vom Betrachter aus, und so sind die Lichtverhältnisse konstant schlecht. Aber auch die starken Reflexionen können als beabsichtigt durchgehen.

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